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Wie ein Schweizer vor 140 Jahren den Glasbaustein erfand

Der Waadtländer Gustave Falconnier hat 1886 den Glausbaustein patentiert. Auch heute noch fasziniert das Bauelement die Architektenzunft. Die Erfindung ist auch wieder vermehrt als Designelement gefragt.

Eigenheim mit Glasbausteinen. Bild: iStock

Glasbausteine prägen unsere Umgebung. Wir sehen sie an Gebäuden, im Treppenhaus oder sogar auf dem Boden. Sie lassen Licht hindurch, ohne freie Sicht zu gewähren. Der Schweizer Architekt Gustave Falconnier ist der Erfinder dieser scheinbar zeitlosen Bauelemente.

 

Vor der Entwicklung der «brique de verre» beschäftigte er sich intensiv mit hygienischen Glasbehältnissen und Verschlusstechniken. In Frankreich liess Falconnier am 20. März 1873 ein Patent für ein Fläschchen eintragen. In der Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts war das Design von Babyflaschen ein hochaktuelles Thema: Schwer zu reinigende Schläuche und Verschlüsse konnten zu tödlichen Infektionen führen. Später arbeitete er an hygienischen Flaschenverschlüssen mit Glasdeckel. Bei seiner Arbeit mit Glasflaschen und Hohlkörpern erkennt Falconnier, dass sich das Blasen von Glas in Formen auch zur Herstellung wärmedämmender und lichtdurchlässiger Bauelemente eignet.

 

Patentschutz in mehreren Ländern

Am 22. Oktober 1886 meldet er seine Erfindung beim französischen Patentamt an. Er erweitert den Schutz auf weitere Länder aus. 1888 ist die Schweiz dran (Patentnummer CH48). Die Patente gewährten ihm damals je nach Land 14 bis 17 Jahre exklusives Nutzungsrecht. Heute kann das Patent in den meisten Ländern bis 20 Jahre genutzt werden.

 

Falconnier bestimmt, was mit der Erfindung geschieht. Er erhält weitere Patente, die u.a. Verbesserungen am Herstellungsverfahren beschreiben. Die Glasbausteine lässt der Erfinder auch von ausländischen Glaswerken herstellen, teilweise in Lizenz. Damit konnte er seine Erfindung international verbreiten, ohne überall selbst produzieren zu müssen. Seinen Namen und Patentangaben liess er direkt auf die Bausteine prägen.

 
 

Le Corbusier war von den gläsernen Bauseinen fasziniert

Seine Erfindung erhält 1900 eine grosse Bühne: An der Weltausstellung in Paris sorgen seine «Briques de verre» für Aufsehen. Namhafte Architekten und Designer entdeckten das Material für ihre Bauten. So kommen sie beim sogenannten Molitor-Gebäude (1931-1934) von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in Paris grossflächig zum Einsatz. Ein ästhetisches Statement.

 

Das Grundprinzip ist bis heute weitgehend gleichgeblieben. Allerdings hat sich die Herstellung grundlegend verändert. Falconnier liess seine Glasbausteine mundblasen, während moderne Glasbausteine industriell aus zwei gepressten Glashälften gefertigt werden. Die Vielfalt ist heute fast grenzenlos.

 
 

Eine scheinbar zeitlose Erfindung

Heute gibt es Glasbausteine in zahlreichen Formaten, Farben und Oberflächenstrukturen. Längst setzen sie auch in der Inneneinrichtung gestalterische Akzente. 140 Jahre nach der Patentanmeldung inspiriert Falconniers Idee noch immer die Gestaltung von Räumen.

 
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