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Auch Agent 007 setzte auf diese Schweizer Erfindung

Ein Solothurner Unternehmen revolutionierte vor über 50 Jahren die Rettung von Lawinenverschütteten. Das Suchgerät Barryvox VS-68 wurde im Auftrag der Schweizer Armee entwickelt, fand aber auch den Weg in den zivilen Bergsport. Die Technik ist auch heute noch aktuell. Willkommen zum fünften und letzten Teil unserer Serie über Schweizer Erfindungen auf Briefmarken.

Das Barryvox von 1974 in gelber (ziviler) Version. Jenes für die Armee war rot. Bild: Enter Technikwelt Solothurn

Wenn Wintersportlerinnen oder -sportler von einer Lawine verschüttet werden, zählt jede Sekunde. Die Suche ist ein Wettrennen gegen die Zeit. Mit den Hilfsmitteln, die es vor über 50 Jahren gab, dauerte das Aufspüren von Verschütteten meistens zu lange. Mit ihrer Erfindung von 1971 vermochte die Autophon AG die Ortung jedoch drastisch zu beschleunigen.

Das Solothurner Unternehmen vereinte erstmals Senden und Suchen in einem einzigen tragbaren Gerät. So konnte jede Person das gleiche Gerät tragen: Wurde jemand verschüttet, sendete es ein Signal; die anderen stellten ihre Geräte auf Empfang und folgten dem Ton.

 

Erfindung wird patentiert

Der technische Durchbruch gründete auf zwei Ideen: Einerseits eine gemeinsame Antenne für Sender und Empfänger und andererseits eine mehrstufige, einstellbare Empfindlichkeit, mit der man zuerst grob und dann präzise suchen konnte. Ein zentraler Handschalter steuerte alle Funktionen so, dass das Gerät auch in Stresssituationen sicher bedienbar blieb.

Die vier Erfinder der Autophon AG liessen ihre Innovation schliesslich patentieren. Sie meldeten ihr «Gerät zur Suche von je ein gleiches Gerät tragenden verschütteten Personen» am 24. Dezember 1971 um 12 Uhr mittags an. Am 14. September 1973 erteilte ihnen das damalige «Amt für Geistiges Eigentum» (heute IGE) das Patent (CH 539 440). Dadurch erhielten sie ein exklusives Nutzungsrecht der Technik für bis zu 20 Jahre.

Das Gerät wurde Barryvox getauft – in Anlehnung an den legendären Rettungshund Barry, der Bernhardiner, der im 19. Jahrhundert über 40 Menschen das Leben gerettet haben soll und dessen Präparat heute noch in Bern ausgestellt . Nach der Markteinführung 1974 wurde die Innovation schnell zum Standard bei den Suchgeräten für Lawinenopfer, insbesondere wegen der damals aussergewöhnlichen Reichweite von 60 Metern. Später wurde die Frequenz von 457 kHz zur internationalen Norm.

 
 

Barryvox wurde zum 007-Gadget

Die Schweizer Erfindung schaffte es sogar ins Kino, wie Dr. Felix Wirth im Jahrbuch für Solothurnische Geschichte (Band 97, 2024) schreibt. Agent 007, gespielt von Roger Moore, verwendete das Gerät in der Eröffnungsszene des Films Im Angesicht des Todes (1985), so der Autor. «Mit Skiern, weissem Skianzug und dem gelben Barryvox gelingt es ihm, seinen tödlich verunglückten MI6-Kollegen 003 aufzuspüren und ihm einen geheimen Mikrochip zu entnehmen», schreibt Felix Wirth. Und es wurde wohl zum teuersten Barryvox aller Zeiten: «Auf einer Auktion wurde das im Film eingesetzte Gerät für umgerechnet 3000 Franken versteigert», hat Felix Wirth herausgefunden.

 
 

Neue Ausführungen

Das Lawinenverschütteten-Suchgerät Barryvox gehört inzwischen der Mammut Sports Group AG, die neue Versionen mit einer Reichweite von bis zu 100 Metern verkauft. Eine kurze Online-Suche zeigt, dass die ersten Modelle VS-68 beispielsweise auf der Schweizer Auktionsplattform Ricardo immer noch gehandelt werden. Und wer die Enter Technikwelt in Solothurn besucht, kann den zeitlosen Rettungshelfer in der Ausstellung begutachten.

Die Schweizerische Post hat der lebensrettenden Erfindung im Jahr 2022 eine Sonderbriefmarke gewidmet. Darauf ist die neue Barryvox-Version zu sehen.

 
 

Schweizer Erfindungen auf Briefmarken: Das steckt dahinter

Die Schweizer Post widmet dem Erfinder der WC-Ente eine Briefmarke. Sie ist im September 2025 erschienen. Es ist die fünfte Briefmarke mit einer Schweizer Erfindung. Davor erschienen sind: Knoblauchpresse, Menzi Muck, Klettverschluss und Barryvox. Wir haben jeder dieser legendären Innovationen eine Geschichte gewidmet.

 

«Schweizer Themen, insbesondere die sogenannte ‘Swissness’, stossen bei unserer Zielgruppe 

– Sammler und Philatelisten – auf grosses Interesse. In Kombination mit dem Thema Erfindungen trägt dies dazu bei, die Schweiz als «Erfinderland» ins Rampenlicht zu rücken», schreibt die Schweizer Post auf Anfrage des IGE.

 

Die Auswahl der fünf Erfindungen sei im Rahmen eines Brainstormings erfolgt. «Ziel war es, die Vielfalt und den Reichtum Schweizer Erfindungen aufzuzeigen und gleichzeitig unterschiedliche Interessensgebiete unserer Zielgruppe abzudecken».

 

Mit der WC-Ente ist die Serie vorerst abgeschlossen. Deshalb hat die Post einen Folder mit allen bisher veröffentlichten Briefmarken zu Schweizer Erfindungen zusammengestellt.

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