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«Wenn jemand das Unternehmen verlässt, darf man nicht blockiert sein»

An der Handelsmesse von Young Enterprise Switzerland (YES) in Zürich präsentierten Mini-Unternehmen kürzlich ihre Produkte. Dabei stellte ein Experte des IGE ihr Wissen rund um Geistiges Eigentum auf die Probe.

IP-Experte Matthias Käch befragte die Mini-Unternehmen. Foto: IGE

Im Company Programme von YES gründen Jugendliche Mini-Unternehmen. Unter nahezu realen Bedingungen bauen sie im Rahmen eines einjährigen Wettbewerbs eine Firma auf und lancieren ein Produkt. Das IGE als Main Partner zeigt den Teilnehmenden in Workshops, welche zentrale Rolle Geistiges Eigentum spielt. An der Handelsmesse – dem Halbfinale des Programms – befragte IGE-Experte Matthias Käch die Teams zum Umgang mit Geistigem Eigentum. Die Messe fand vom 24. – 27. März im Bahnhof Zürich statt.

 

«Für die Zukunft lernen»

Matthias Käch steht an einem Stand, spricht mit einem Team, nickt und hält seine Einschätzungen auf dem Bewertungsbogen fest. «Die Teams sind sehr engagiert», lautet sein Fazit einige Stunden später. Der erste Tag ist geschafft. Alle hätten sich aktiv mit dem Thema Geistiges Eigentum auseinandergesetzt und die Gelegenheit genutzt, «etwas für die Zukunft zu lernen und davon zu profitieren». Bis Ende Woche wird Matthias Käch 75 Mini-Unternehmen befragt haben – sie sind potenzielle Anwärter für den IGE IP Management Award.

 
 

Verträge sind zentral

Für die Mini-Unternehmen seien Verträge zentral, so der Experte. Gerade im Hinblick auf eine mögliche Weiterführung der Projekte sei es entscheidend, sich rechtlich abzusichern – etwa bei der Nutzung von Logos oder anderen urheberrechtlich geschützten Inhalten. «Wenn jemand das Unternehmen verlässt, darf man nicht blockiert sein», betont Käch.

Was ihn an seiner Arbeit motiviert, ist der langfristige Effekt: «Wir geben den Teilnehmenden etwas mit für die Zukunft.» Entscheidend sei, dass das Thema nicht abstrakt bleibe, sondern am eigenen Projekt erfahrbar werde. Eine grosse Stärke des YES-Programms sei zudem, dass das IGE Menschen erreiche, die sonst kaum zugänglich seien. «Wenn man die IP-Management-Reports der Teams liest, kann sich so manches KMU eine Scheibe davon abschneiden.»

 

Drei Teams und Ihre IP-Story

Crystal (Tee)
Durch die Informationen zum Geistigen Eigentum erhielt das Team viele praktische Hinweise, etwa zu Verträgen rund um Fotos und Logos. «Vieles war uns nicht bewusst. Durch das Interview mit Herrn Käch haben wir ein deutlich tieferes Verständnis für Geistiges Eigentum gewonnen.» Besonders beeindruckt war das Team davon, wie komplex der Aufbau und Schutz einer Marke ist: «Selbst kleine Unterschiede in der Schreibweise eines Markennamens schützen nicht automatisch vor rechtlichen Risiken, wenn Ähnlichkeiten in Klang, Bedeutung oder Produktkategorie bestehen.»
https://www.crystal-the.ch/

 
 

Aacho (Tee)

Max Riniker (CEO) und Etienne Schade (CMO) kümmern sich bei Aacho um das Management des Geistigen Eigentums. «Unserem Mini-Unternehmen hat es sehr geholfen, dass wir hier über IP aufgeklärt wurden», sagt Riniker. Im Gespräch wird schnell klar, wie intensiv sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Sie betonen, dass saubere Prozesse und klare Regelungen im Umgang mit IP-Rechten unabdingbar sind. Aacho dokumentiert konsequent und nutzt Verträge, um Rechte zu klären. Besonders beim Einsatz von Bildern, Musik oder Podcasts gehe es um weit mehr als einzelne Veröffentlichungen. Selbst bei scheinbar kleinen Dingen wie Hintergrundmusik müsse auf die richtigen Lizenzen geachtet werden: «Man kann nicht einfach irgendetwas verwenden», sagt Schade.
https://www.aacho-yes.ch/

 
 

Soaplee (Seife)
Auch beim Team Soaplee ist die Bedeutung klarer Regeln zentral: «Das Wichtigste sind Verträge», sagt Hasnain Saeed, CEO und IP-Verantwortlicher. Diese seien sowohl innerhalb des Unternehmens als auch gegenüber Partnern entscheidend – etwa bei Produkten oder im Umgang mit Rechten. Gleichzeitig habe das Team dank des IGE ein besseres Verständnis für die Unterschiede zwischen Urheberrecht, Patenten und Designschutz gewonnen. «Wir achten darauf, keine Rechte zu verletzen – bei Bildern, Musik oder anderen Inhalten», erklärt er. Zugleich wächst das Bewusstsein, eigene Werte zu schützen, etwa durch den Schutz von Design und Marke. So wurde beispielsweise das Logo intern klar geregelt: «Der Designer hat das Urheberrecht, wir haben das Nutzungsrecht – das haben wir im Vertrag festgehalten.»
https://www.soaplee.ch/

 
 

Das Finale des Company Programme findet am 29. und 30. Mai in der Bahnhofhalle in Zürich statt. Dann geht es um den begehrten «Company oft he Year»-Award. Daneben werden weitere Preise wie der IGE IP Management Award ausgelobt.

https://yes.swiss/programme/company-programme

 
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