Anna McCann kann als eine der ersten Kandidatinnen aus der Schweiz am «Candidate Support Programme» (CSP) des Europäischen Patentamts (EPA) teilnehmen, das sie bei der Vorbereitung auf die europäische Eignungsprüfung (EEP) unterstützt. Die 30-jährige mit irisch-amerikanischer Doppelstaatsbürgerschaft bereitet sich seit 2025 auf die Prüfung vor und legte im März 2026 die Prüfungen M1 und M2 ab. Die Erfahrung mit dem CSP hat sie so geprägt, dass sie später selbst einmal als CSP-Coachin tätig sein möchte.
Für IP-Professional
Sie befinden sich auf dem Portal für Fachleute, die im Bereich des Geistigen Eigentums arbeiten. Hier finden Sie Direktzugänge zu allen notwendigen Hilfsmitteln.
Aktualitäten
Von der EPFL-Doktorandin zur angehenden europäischen Patentanwältin: Anna McCann über ihren Weg ins Patentrecht
Nach ihrer Promotion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) entdeckt Anna McCann den Beruf der Patentanwältin für sich. Kurz darauf beginnt sie ihre Laufbahn im Geistigen Eigentum in einer Lausanner Kanzlei und bereitet sich auf die europäische Eignungsprüfung (EEP) vor. Unterstützung erhält sie dabei vom «Candidate Support Programme» (CSP) des Europäischen Patentamts.
Anna, Sie haben in Cork als Elektroingenieurin gearbeitet und dann an der EPFL in der Herzforschung promoviert. Wie sind Sie von dort zum Geistigen Eigentum gelangt?
Nach meiner Promotion stand ich vor der Frage: Was jetzt? Ich habe viel nachgedacht und hatte das Glück, mich mit André Roland, meinem heutigen Vorgesetzten, ausführlich über das Geistige Eigentum und den Beruf der Patentanwältin unterhalten zu können. Nach meinen Recherchen und diesem Gespräch war ich überzeugt, dass dieser Beruf sehr gut zu mir passt. So begann es, und seit Anfang 2024 arbeite ich nun bei André Roland SA in Lausanne als Patentingenieurin.
Was sind Ihre Aufgaben als Patentingenieurin?
Ich verfasse Patentanmeldungen und kommuniziere in allen Phasen des Verfahrens mit den zuständigen Ämtern. Ich helfe ausserdem mit, die Patentierbarkeit von Erfindungen zu beurteilen. Aufgrund meines technischen Hintergrunds werde ich dabei häufig mit computerimplementierten Erfindungen betraut, welche eingehende Analyse erfordern, um patentierbare Aspekte herauszuarbeiten.
Daneben führe ich Freedom-to-Operate-Recherchen durch und beobachte die Patentaktivitäten von Wettbewerbern.
Schliesslich begleite ich Mandantinnen und Mandanten auch bei grundlegenden strategischen Fragen rund um den Schutz ihrer Innovationen und der Verteidigung ihrer Rechte.
Warum wollen Sie die europäische Eignungsprüfung (EEP) ablegen?
Vor allem, weil diese Qualifikation meiner Meinung nach eine enorme Glaubwürdigkeit gegenüber Mandantinnen und Mandanten verleiht. Ausserdem öffnet sie die Tür zu einem europaweiten Netzwerk von Fachleuten.
Abgesehen davon betrachte ich die Prüfungsvorbereitung als Teil meiner Ausbildung im Bereich des Geistigen Eigentums. Ich vertiefe mein Wissen über das Europäische Patentübereinkommen so umfassend, dass ich auch in komplexen oder seltenen Fällen weiss, wie vorzugehen ist. Diese Befähigung zu erlangen, ist mir wichtig.
Sie nehmen am «Candidate Support Programme» (CSP) des Europäischen Patentamts teil. Woraus besteht es?
Los ging es im Oktober 2025 mit einem Kick-off-Meeting in München, bei dem alle Teilnehmenden aus ganz Europa und ihre Coaches zusammenkamen. Für mich war dieses Treffen ein äusserst motivierender Start in das Programm. Wir konnten sehr schnell über viele Dinge reden. Mich fasziniert, dass wir in verschiedenen Ländern arbeiten und uns dennoch durch dieselbe Tätigkeit und das europäische Patentübereinkommen eng verbunden fühlen.
Dann gibt es das Coaching. Meine Coachin, eine europäische Patentanwältin mit Sitz in der Türkei, betreute mich und drei weitere Kandidatinnen. Fast jede Woche schickte sie uns Aufgaben zu rechtlichen Fragen oder praktische Übungen, korrigierte unsere Antworten und gab Feedback.
Schliesslich profitierten wir von gezielten Fernkursen des «Center for International Intellectual Property Studies» (CEIPI): einem Vorbereitungskurs für die M1-Prüfung im Oktober und einem für die M2-Prüfung im Januar. Diese Kurse waren höchst intensiv: mehrere Tage voller juristischer Fragestellungen, Probeprüfungen und Korrekturrunden.
Was empfanden Sie als besonders wertvoll?
Alle drei Elemente – der Kick-off in München, das Coaching und die Kurse – waren wichtig. Aber das Coaching war natürlich besonders wertvoll. Es nahm mich in die Pflicht und erlaubte mir, jederzeit Fragen zu stellen. Darüber hinaus stand uns die Coachin auch moralisch und emotional zur Seite.
Mich würde es deshalb reizen, später selbst EEP-Kandidatinnen und -Kandidaten als Coachin zu begleiten. Diese Verbindung aus fachlichem Austausch, persönlicher Begleitung und internationalem Netzwerk gefällt mir sehr.
Was wäre ohne die Unterstützung durch das CSP anders gewesen?
Die Vorbereitung wäre deutlich schwieriger gewesen. Natürlich absolviere ich mein Praktikum unter Aufsicht eines zugelassenen Patentanwalts in unserer Kanzlei. Er kann aus Zeitgründen aber nicht denselben Begleitaufwand leisten wie meine Coachin. Ausserdem bin ich überzeugt, dass meine Erfolgschancen durch das CSP deutlich grösser sind.
Entsprachen die Prüfungen M1 und M2 letztendlich Ihren Vorstellungen?
Ja, so ziemlich. Die Prüfungen waren wie erwartet äusserst anspruchsvoll. Um die Fragen mit der nötigen Detailgenauigkeit beantworten zu können, waren Monate intensiven Lernens nötig.
Welche Tipps geben Sie künftigen Kandidatinnen und Kandidaten auf den Weg?
Ich würde mich vor allem mit anderen Kandidatinnen und Kandidaten zusammenschliessen und eine Mentorin oder einen Mentor finden. Ich war mit drei weiteren Kandidatinnen in einer WhatsApp-Gruppe, und wenn an einem Prüfungswochenende um 22 Uhr die Prüfungssoftware WiseFlow nicht funktionierte, konnte ich kurz in die Gruppe fragen – und bekam sofort Antworten. Das war sehr wertvoll. Gerade diese scheinbar kleinen Dinge machen am Ende einen grossen Unterschied – für die Motivation ebenso wie für den Lernerfolg.
Zum Abschluss möchte ich mich beim IGE und insbesondere bei Tanja Joerger herzlich für die Unterstützung im Rahmen meiner Teilnahmen am CSP und damit auf meinem Weg zur europäischen Patentanwältin bedanken.
In der Zwischenzeit haben wir erfahren, dass Anna McCann die Prüfungen M1 und M2 bestanden hat. Wir gratulieren herzlich und danken vielmals für das Gespräch!
Die europäische Eignungsprüfung (EEP)
Mit der europäischen Eignungsprüfung (EEP) wird festgestellt, ob die Bewerberinnen und Bewerber die Kenntnisse und die Fähigkeit haben, Anmelderinnen und Anmelder vor dem Europäischen Patentamt (EPA) zu vertreten. Sie gilt als einer der anspruchsvollsten Prüfungen in Europa und umfasst fünf Aufgaben: Die Aufgabe F (Foundation Paper) kann nach einem Jahr Berufserfahrung, die Aufgaben M1 und M2 nach zwei und M3 und M4 nach drei Jahren Berufserfahrung abgelegt werden.
Wer die EEP bestanden hat, kann die Registrierung als europäische Patentanwältin oder europäischer Patentanwalt beantragen und wird in der Liste der zugelassenen Vertreter beim EPA aufgeführt.
Das Candidate Support Programme (CSP
Das Candidate Support Programme (CSP) ist eine Initiative des Europäischen Patentamts (EPA) in Kooperation mit Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation. Ihr Ziel ist es, für mehr Inklusion, Kompetenzausbau und grössere Ausgewogenheit innerhalb der Patentfachwelt in Europa zu sorgen. Das umfassende Unterstützungsangebot soll Bewerberinnen und Bewerbern ermöglichen, alle fünf Aufgaben der europäischen Eignungsprüfung zu bestehen.
Das IGE nimmt beim CSP teil, um den Frauenanteil in der Patentfachwelt zu erhöhen und als Beitrag zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (siehe auch Geistiges Eigentum und Nachhaltige Entwicklung).
2025 konnten wir gemeinsam mit Vertretern der Prüfungskammer der Verbände der Schweizer Patentanwälte zum ersten Mal zwei Kandidatinnen für das Programm auswählen. Nicole Ade, eine der zwei glücklichen Teilnehmerinnen, hat uns kurz nach der ersten Prüfung über ihre Erfahrungen berichtet.
Die Ausbildung zur europäischen Patentanwältin oder zum europäischen Patentanwalt
Diese Ausbildung bereitet darauf vor, Mandantinnen und Mandanten im Zusammenhang mit europäischen Patentanmeldungen zu beraten und zu vertreten.
Voraussetzung ist ein natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Hochschulabschluss. Danach folgt eine patentrechtliche Fachausbildung von mindestens drei Jahren unter Aufsicht einer zugelassenen Europäischen Patentanwältin oder einem zugelassenen Europäischen Patentanwalt. Parallel dazu erwerben Kandidatinnen und Kandidaten ein umfangreiches theoretisches Wissen zum europäischen und internationalen Patentrecht. Die Ausbildung wird mit der Europäischen Eignungsprüfung (EEP) abgeschlossen.
Genauere Informationen finden Sie auf der Website des Instituts der beim Europäischen Patentamt zugelassenen Vertreter sowie auf der Website des EPA.
Die Ausbildung zur Schweizer Patentanwältin oder zum Schweizer Patentanwalt
Diese Ausbildung baut ebenfalls auf einem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Hochschulabschluss auf. Anschliessend folgt eine praktische Fachausbildung unter Anleitung einer eingetragenen Patentanwältin oder einem eingetragenen Patentanwalt, in der Kenntnisse im schweizerischen, europäischen und internationalen Patentrecht sowie in weiteren Bereichen des Immaterialgüterrechts erworben werden. Nach der mindestens drei Jahre dauernden Ausbildung steht eine vierteilige Patentanwaltsprüfung. Zwei Teile werden über die europäische Eignungsprüfung abgedeckt, die übrigen behandeln speziell das Schweizer Recht.
Zur Vorbereitung auf die Prüfung bietet das IGE in Zusammenarbeit mit den Verbänden VSP, VESPA und VIPS den berufsbegleitenden «Lehrgang zum Schweizer IP-Spezialisten und Patentanwalt» an.
Zur Führung des Titels müssen Patentanwältinnen und -anwälte die Voraussetzungen des Patentanwaltsgesetzes erfüllen und im Schweizerischen Patentanwaltsregister oder in der Liste der in Liechtenstein zugelassenen Patentanwälte eingetragen sein.