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«Ich fühlte mich richtig gefordert».

Honor Felisberto, eine 27-jährige Juristin, hat gerade ihr Praktikum beim IGE abgeschlossen. Nach ihrem Jurastudium in Lausanne, wo sie einen Bachelor und anschliessend einen Master erwarb, wurde sie für ein Doktorat im Urheberrecht ausgewählt. Seit mehreren Jahren hegte sie den Wunsch, ein Praktikum beim IGE zu absolvieren.

 

Honor, was motiviert dich persönlich und beruflich? Erzähl uns von deinem bisherigen Werdegang.

 

Honor Felisberto

Als ich mein Jurastudium begann, war es eines meiner Ziele, meine Leidenschaft für das Recht und mein Interesse für die Kunst zu verbinden. Ich habe mich schon immer sehr für Kunst im Allgemeinen interessiert. Als ich jünger war, habe ich Musik gemacht, getanzt, Theater gespielt, also viele Aktivitäten im Bereich Kunst. Ich tanze immer noch und gehe weiterhin oft in Ausstellungen und Museen. So bin ich zum Urheberrecht gekommen. Das ist auch der Grund, warum ich meine Doktorarbeit in diesem Bereich geschrieben habe.

 

Parallel zu meinem Studium habe ich verschiedene berufliche Tätigkeiten ausgeübt: Ich habe in Anwaltskanzleien und Gerichten gearbeitet, insbesondere am Strafgericht und am Arbeitsgericht. Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich ausserdem einen Forschungsaufenthalt am King’s College in London absolviert. Ich denke, dass mir diese Erfahrungen schon vor meinem Praktikum beim IGE einen guten Einblick in alle Bereiche, die mich interessieren, und in verschiedene Rechtssysteme verschafft haben.

 

Tatsächlich hast du für dein Alter bereits eine beeindruckende akademische Laufbahn und Berufserfahrung hinter dir. Was hat dich dazu bewogen, ein sechsmonatiges Praktikum beim IGE zu absolvieren?

 

Vor etwa sechs Jahren traf ich einen ehemaligen IGE-Praktikanten. Heute ist er spezialisierter Anwalt auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums (IP). Ich habe ihm gesagt, dass ich mich auch darin spezialisieren möchte. Er meinte, das Praktikum beim IGE sei eine hervorragende Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und sich im IP-Bereich weiterzuentwickeln. Seitdem war es mein Ziel, zum IGE zu kommen. Also habe ich auf der Website nach Informationen gesucht, Interviews mit früheren Praktikantinnen und Praktikanten gelesen und Kontakt zu einigen von ihnen aufgenommen. Alle haben mir geraten, mich zu bewerben.

 

Du hast dein Praktikum im Bereich Markenrecht begonnen, bevor du zum allgemeinen Recht gewechselt hast. Was hast du gelernt und was waren deine wichtigsten Erfahrungen?

 

Als ich zum IGE kam, hatte ich vor allem theoretische Kenntnisse im Marken- und Urheberrecht. Mein Wunsch war es daher, diese Kenntnisse durch praktische Erfahrungen zu festigen. Das Praktikum ermöglichte mir jedoch auch Einblicke in andere Bereiche, wie die geografischen Angaben und die internationale Zusammenarbeit, und insbesondere die Vertretung des IGE bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) sowie die Zusammenarbeit mit der Bundesverwaltung. Ich habe es sehr geschätzt, Verantwortung übernehmen zu dürfen und meine eigenen Erfahrungen einbringen zu können. Dieser Austausch von Wissen und Erfahrungen in allen Bereichen des Geistigen Eigentums war sehr wertvoll.

 

Was waren die Höhepunkte deines Praktikums? Was hat dir beruflich, aber auch persönlich am besten gefallen?

 

Der Besuch bei der WIPO war ein Höhepunkt, da ich an einem Tag voller Diskussionen zu verschiedenen Themen des Urheberrechts – meinem Interessengebiet – zwischen verschiedenen Ländern und Vertretern von IP-Organisationen aus aller Welt teilgenommen habe. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Teilnahme an einer Direktionssitzung, bei der ich auf Wunsch eines Direktionsmitglieds eine Präsentation hielt. Ich habe es sehr genossen, an diesen Schlüsselmomenten in der Entwicklung von IP und dem IGE beteiligt zu sein. Auch meine Präsentation am Ende des Praktikums war ein wichtiger Moment. Ich habe mich entschlossen, meinen Kollegen vom IGE ein Kapitel meiner Dissertation vorzustellen, wobei ich mich auf den Begriff des Stils im aktuellen Urheberrecht im digitalen Zeitalter beschränkt habe. Auf persönlicher Ebene möchte ich hervorheben, dass ich beim IGE sehr herzlich aufgenommen wurde und mich gut in die Teams integriert habe. Die geselligen Momente ausserhalb der Arbeit, wie der gemeinsame Besuch des Weihnachtsmarkts, haben mir auch sehr gut gefallen.

 

Gibt es noch etwas anderes bezüglich deines Praktikums, das du hervorheben möchtest?

 

Ja, das gibt es. Es wird oft gesagt, dass Praktikumsstellen beim IGE eher für junge Absolventinnen und Absolventen gedacht sind, die gerade ihren Master in Rechtswissenschaften abgeschlossen haben. Sie sollen ihnen den Einstieg in die Berufswelt erleichtern und die Möglichkeit bieten, sich zu spezialisieren. Rückblickend stelle ich fest, dass die Praktika beim IGE einzigartig und fast massgeschneidert sind. Es gibt keinen Standardprozess: Die Teams passen sich uns an. Das ist sehr positiv. Auch wenn man wie ich über eine Zusatzausbildung verfügt oder bereits Berufserfahrung hat, ist das Praktikum beim IGE eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich habe das Gefühl, viel gelernt zu haben, weil mir auch Aufgaben mit etwas mehr Verantwortung übertragen und etwas engere Fristen gesetzt wurden. Ich fühlte mich richtig gefordert.

 

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Was hast du nach deinem Praktikum vor?

 

Nach meinem Praktikum hier werde ich ein wenig reisen. Im März werde ich mein Anwaltspraktikum in einer Kanzlei in Lausanne beginnen. Anschliessend möchte ich, wenn alles gut läuft, zunächst einmal als Rechtsanwältin im Bereich des Geistigen Eigentums und des Innovationsrechts tätig sein. Ich bin daran interessiert, etwas mehr über neue Technologien zu erfahren. Und langfristig möchte ich auch an der Universität unterrichten. Mir gefällt die Vorstellung, Wissen und Kenntnisse weitergeben zu können.

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