Alles beginnt im Jahr 2018 mit einer abenteuerlichen Reise nach Thailand, auf die Sandra Gschwend und Christian Diethelm als Fremde aufbrechen und als Paar und zukünftige Geschäftspartner zurückkehren. Die Reise inspirierte sie zum Firmennamen «böörds» sowie zu ihrem ersten Produkt: einem intelligenten Verschlusssystem für Lebensmittelverpackungen. Noch im selben Jahr melden sie die Marke «Tütenhüter» beim IGE an. 17 Monate später tritt das Start-up in der Gründer-Show «Höhle der Löwen Schweiz» auf und gewinnt 2020 einen Nachwuchspreis der SBB. Heute sind die in der Schweiz hergestellten Produkte in über 450 Fachgeschäften in der Schweiz erhältlich und werden über den Online-Shop in die ganze EU verkauft.
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«Ein Investor bemängelte den deutschsprachigen Begriff»
Das im Jahr 2018 gegründete Unternehmen «böörds» wurde mit dem «Tütenhüter» bekannt, einem in der Schweiz hergestellten Verschlusssystem für Lebensmittelverpackungen. 2021 folgte die multifunktionale Tuben-Ausquetschhilfe «Tubeschruberi». Wir haben mit der Firmeninhaberin über die Entstehung dieser kreativen Marken und ihre Erfahrungen damit gesprochen.
Sandra, wie kamen Sie auf die Marke «Tütenhüter», den Namen Ihres ersten Produkts?
Zurück von unserer Reise, auf der unser Start-up seinen Anfang nahm, organisierten wir ein Brainstorming mit Freunden. Jemand notierte die Idee «Tüten hüten» auf einem der unzähligen Post-its. Das begeisterte uns direkt alle. Mein damaliger Partner Christian und ich wollten jedoch ein Nomen, und so entstand der «Tütenhüter». Die Namensfindung war also insgesamt sehr vergnüglich.
Was war Ihnen bei der Namensfindung wichtig?
Wir hatten auch englischsprachige Ideen, entschieden uns aber bewusst für einen deutschen Namen, weil wir die Marke vor allem in der DACH-Region etablieren wollten. Bei unserem Auftritt in der Gründer-Show «Höhle der Löwen Schweiz» wurde der deutschsprachige Begriff dann prompt bemängelt. Ein Investor meinte, dass wir uns damit einschränken würden und englischsprachige Absatzmärkte vergessen könnten. Alle Begriffe mit Umlauten seien extrem schwierig. Unsere Produkte verkaufen sich aber auch in der französischsprachigen Schweiz sehr gut, und seit 2025 liefern wir in die gesamte EU. Soweit funktioniert es. Letztendlich ist diese Wortbildung einfach eine Marke und es ist unerheblich, wenn man sie auf Englisch oder Französisch nicht versteht.
Sie würden heute also nichts anders machen?
Nein. Der Begriff «Tütenhüter» ist sehr markenprägend und wird als sympathisch empfunden. Manche stellen sich darunter allerdings auch schräge Dinge vor. Meiner Meinung nach macht aber genau das eine gute Marke aus: Wenn sie nicht so eindeutig oder langweilig ist, sondern die Leute sich damit auseinandersetzen und darüber sprechen, auch in den sozialen Medien. Das hat uns definitiv auch geholfen.
Welche Markenstrategie verfolgen Sie?
Wir verfolgen eine Dachmarkenstrategie, mit dem Firmennamen «böörds» als Dachmarke. Uns war von Beginn an wichtig, nicht nur die Produktmarken zu pushen, sondern immer auch die Dachmarke mitzuführen, um sie bekannt zu machen und später weitere Produkte darunter lancieren zu können.
Wie ist der Firmenname «böörds» enstanden?
«böörds» ist die Aussprache des englischen Begriffs «birds». Die Idee dazu hatten wir während unserer Thailand-Reise. Im Minibus hörten wir viele Mundartlieder, wie «Uf u dervo» von Gölä oder «E Vogel ohni Flügel» von Peter Reber. Dort steht der Vogel für Freiheit und Unabhängigkeit und somit für genau das, was wir mit unserer Selbständigkeit verwirklichen wollten. Die zwei «ö» stehen für Christian und mich, den Gründer und die Gründerin.
Wie sah der Kreativprozess für die grafische Umsetzung des Logos aus?
Zuerst beauftragten wir eine Grafikerin mit einem Schriftzug für die Wortmarke «Tütenhüter». Da Christian und ich zwei fröhliche Menschen sind, sollten die «Ü» als Smileys gestaltet werden. Die Grafikerin schlug dann jedoch vor, uns darzustellen, und so symbolisieren die «Ü-Pünktchen» nun unsere Köpfe, die einander zugewandt sind.
Diese Idee, uns selbst im Schrifzug darzustellen, wollten wir dann auch für die Dachmarke anwenden. So kamen wir für «böörds» auf das Doppel-Ö in Form eines Unendlichkeitszeichens, in dem Christian und ich uns gegenübersitzen.
Wie sind die Bildmarken entstanden, die Sie gemeinsam mit den Wortmarken «Tütenhüter» und «Tubeschruberi» einsetzen?
Die Bildsprache hat für unsere Markenidentität eine grosse Bedeutung. Als wir den Begriff «Tütenhüter» kreierten, sahen wir ihn sofort in Person vor uns: ein adretter Herr mit einem gezwirbelten Schnurrbart, der Lebensmittelverschwendung vermeidet und deshalb seine Tüten gut verschliessen will. Noch am selben Abend erstellten wir ein Briefing für einen Karikaturisten, der den Herrn in liebevoller Handarbeit zeichnete. Rund drei Jahre später kam seine Partnerin «Tubeschruberi» hinzu. Mit diesen Figuren wollen wir eine Geschichte erzählen und unseren Produkten Charakter und eine Seele geben. Die Produktion in der Schweiz ist kostspielig. Deshalb musste alles wertig und ansprechend aussehen, sodass sich unsere Produkte auch als Geschenkartikel eignen.
Wieso haben Sie sich für den Markenschutz entschieden?
Christian und ich waren vorher beide in der Produktentwicklung tätig. Für uns war es deshalb selbstverständlich, Marken nach deren Kreation sofort anzumelden. Wir haben auch alle Marken immer so breit wie möglich als Domain geschützt. Neben boeoerds.ch, böörds.ch und tütenhüter.ch sind beispielsweise auch alle Begriffe als .de-, .at- und .com-Domains registriert. Alle Adressen werden auf www.böörds.ch umgeleitet.
Haben Sie vor der Anmeldung eine Markenrecherche durchgeführt?
Ja, wir haben wirklich alles durchforstet und geprüft, ob es bereits etwas Ähnliches gibt.
Gab es bis anhin Konflikte mit ähnlichen Marken oder Produkten?
Es gab ähnliche Produkte. Eines ist wieder vom Markt verschwunden, das andere scheint nicht sehr erfolgreich zu sein. Wir sind mit «Swiss Made» erfolgreich geworden und haben starke Marken etabliert, da holt man uns nicht so leicht ein.
Welchen Tipp würden Sie Firmengründerinnen und Firmengründern auf den Weg geben?
Weil «böörds» ein neuer, erfundener Begriff war, benötigten wir in den ersten Jahren keine Google Ads. Wir waren damit so einzigartig, dass wir in den Suchergebnissen immer ganz oben aufgeführt wurden. Das setzte natürlich voraus, dass man den Suchbegriff kennt. Ich würde aber allen empfehlen, einen Begriff zu wählen, den es noch nicht gibt.
Vielen Dank für das Gespräch Sandra!





