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«Bei der Entwicklungsarbeit haben wir das Sagen»

Im Technopark in Winterthur entwickelt das Start-up Vigilitech eine schonende Messmethode für Kleintiere im Labor. Künstliche Intelligenz gehört dabei längst zum Arbeitsalltag. «Sie unterstützt uns bei neuen Ideen, da sie sehr schnell grosse Mengen an Informationen verarbeiten kann – in einer Breite, die uns früher viel Zeit gekostet hat», sagt Gründer und CEO Marc Zünd.

KI beschleunigt bei Vigilitech viele Prozesse: CEO Marc Zünd. Foto: IGE

Die Idee für das Unternehmen entstand aus einem konkreten Problem in der eigenen Forschungsarbeit. Es fehlten Geräte, die einfach zu bedienen, bezahlbar und gleichzeitig auf die heutigen Anforderungen der präklinischen Forschung zugeschnitten sind. Weil keine passende Lösung verfügbar war, begann er selbst Geräte zu entwickeln. Heute beschäftigt Vigilitech zwölf Mitarbeitende und ist international tätig.

 

KI-Tools kommen bei Vigilitech vor allem bei der Analyse und Recherche von Daten zum Einsatz. «Wir erhalten schnell gut aufbereitete Informationen, mit denen wir beispielsweise den Stand der Technik abklären können.» Besonders bei der Recherche bestehender Technologien sei KI zu einem wichtigen Hilfsmittel geworden. «Wir sehen sehr schnell, was bereits auf dem Markt existiert und in welcher Form. So wird rasch klar, ob wir ein geplantes Patent allenfalls anpassen müssen.»

 

Klar verteilte Rollen

Trotzdem sei die Rolle der KI klar definiert. «Bei der Entwicklungsarbeit haben wir das Sagen», sagt Marc Zünd. KI unterstütze den Prozess, ersetze aber weder die Forschungsarbeit noch strategische Entscheidungen. Eine Herausforderung bleibe der Umgang mit sensiblen Informationen. «Deshalb ist es zentral, dass Unternehmen in einem geschützten Bereich recherchieren können und die Daten nicht weiterverwendet werden.» Obwohl Vigilitech KI-Systeme bewusst einsetzt, bleibt das Unternehmen vorsichtig. «Wir speisen keine Details zu geplanten Erfindungen ein.»

 

Das Anmeldeverhalten habe sich durch KI nicht verändert, betont Marc Zünd, aber: «Wir sind schneller geworden.» Im Zentrum stehe weiterhin die Frage, ob sich mit einer Erfindung ein schutzfähiger technologischer Vorsprung erzielen lasse. KI helfe dabei vor allem als Recherche- und Analyseinstrument.

  

IP-Strategie bleibt klassisch

Die IP-Strategie des Start-ups bleibt deshalb trotz KI klassisch. Sobald neue technische Lösungen entstehen, arbeitet Vigilitech mit externen Patentanwälten und Patentanwältinnen zusammen. Sie unterstützen das Unternehmen bei der Einschätzung, ob sich eine Anmeldung lohnt, begleiten den Schutzrechtsprozess und übernehmen das Fristenmanagement.

«Das ist für ein kleines Start-up enorm wertvoll, weil wir nicht die Ressourcen haben, den gesamten Lebenszyklus eines Patents selbst im Blick zu behalten», sagt Marc Zünd.

 

KI beschleunige viele Prozesse, gerade bei der Informationsbeschaffung. Der entscheidende Teil bleibe für Vigilitech aber weiterhin die eigene Entwicklungsarbeit – und der Schutz der Innovationen.

 

Innovation schützen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Wie nutzen Schweizer Unternehmen Künstliche Intelligenz im Innovationsprozess? Beeinflusst der Gebrauch gar das Verhalten bei Patentanmeldungen oder die Schutzstrategie des Unternehmens? Das IGE ist diesen und weiteren Fragen in einer Serie nachgegangen und hat Verantwortliche in Unternehmen interviewt.

 
 

Über die Vigilitech AG

Die in Winterthur ansässige Vigilitech AG entwickelt Sensor- und Softwarelösungen für die biomedizinische Forschung. Ihr System «MARTA» ermöglicht die kontaktlose Überwachung von Labortieren und erfasst Vitalparameter wie Herz- und Atemfrequenz, ohne die Tiere zusätzlich zu belasten. Dadurch werden Stress und Eingriffe reduziert, das Wohlbefinden der Tiere verbessert und gleichzeitig die Qualität und Aussagekraft präklinischer Studien erhöht.

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