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So schafft Design einen Mehrwert

Wenn es um Design geht, braucht sich die Schweiz nicht zu verstecken. Ob Sparschäler, Möbel, Bahnhofsuhr Wäscheständer und andere Klassiker: Die Produkte überzeugen durch Form und Funktionalität. Manche dieser Design-Ikonen stehen heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Auch der Heckspoiler wurde designt – und lässt sich schützen.
Auch der Heckspoiler wurde designt – und lässt sich schützen. Bild: iStock

Auch heute entstehen in vielen Schweizer Unternehmen innovative Produkte mit hoher Gestaltungsqualität. Manch eines dient rein optischen Zwecken, andere unterstützen uns im Alltag diskret durch ihre Form und Funktionalität –man nimmt sie nicht unbedingt als Design war. Pneu-Profile, Schuhe oder Fitnessgerätesind Beispiele dafür.Aber auch in der Medizintechnik oder Industrie spielt die bewusste Ausgestaltung eines Produkts eine wichtige Rolle.Sie erleichtert die Bedienung oder Sicherheit. Das Design ist auch ein Erkennungsmerkmal für eine Marke.

 

Design sollgrundsätzlich dem Menschen dienen und einen Beitrag für mehr Lebensqualität leisten, sagt Design-Experte Wolfgang K. Meyer-Hayoz. Sein Unternehmen in Winterthur berät seit bald 35 Jahren Firmen in Designfragen und begleitet diese von derIdeenentwicklung bis zum finalen Produkt. Viele Entwicklungen welche in Zusammenarbeit mit den Auftraggebern entstanden sind, wurden international ausgezeichnet.

 

«Design darf kein Selbstzweck sein»

Während des Gesprächs zeigt er Fotos von aktuellen Parking-Ticketautomaten. «Wo soll ich denn hier das Geld einwerfen? Auch solche einfachen Produkte kann man übersichtlicher gestalten», sagt der Experte.Design hat nach seinem Verständnis immer eine definierte Funktion sowie Aufgabe und sei auch Kommunikation.


Meyer-Hayoz betrachtet Design stets ganzheitlich, es muss in den gesamten Prozess des Unternehmens integriert sein. Das fängt damit an, dass die Design-und Firmenstrategieverknüpft wird. «Ein kleines Beispiel: Wenn wir ein Produkt für die Bioprozessoptimierung entwickeln, sollte auch die Marktkommunikation stimmig sein. Ein altbacken gestalteter Prospekt passt dann nicht ins Bild», sagt Meyer-Hayoz. Es müsse alles aus einem Guss kommen. Erst mit einer ganzheitlichen Designstrategie kommt alles aus einem Guss. Produktdesign sei heute besonders wichtig, weil man sich kaum noch durch technische Funktionen abheben könne.

 
 
Der Sparschäler ist ein Klassiker des Schweizer Designs. Er wird seit 1947 praktisch unverändert produziert.
Der Sparschäler ist ein Klassiker des Schweizer Designs. Er wird seit 1947 praktisch unverändert produziert. Bild: Zen Swiss
 

 
Der Landistuhl von Hans Coray ist bis heute stilprägend. Die Schale besteht aus Aluminiumblech.
Der Landistuhl von Hans Coray ist bis heute stilprägend. Die Schale besteht aus Aluminiumblech. Bild: Nationales Landesmuseum
 

 
Design begegnet uns an vielen Orten, die wir nicht für möglich halten. Das gilt zum Beispiel für das Profil von Autoreifen, dessen Gestaltung man schützen kann.
Design begegnet uns an vielen Orten, die wir nicht für möglich halten. Das gilt zum Beispiel für das Profil von Autoreifen, dessen Gestaltung man schützen kann. Bild: Swissreg
 

 
Das Schweizer Sackmesser ist ein gutes Beispiel für funktionales Design.
Das Schweizer Sackmesser ist ein gutes Beispiel für funktionales Design. Bild: iStock
 

 
Es muss eben nicht immer der edle Sessel sein. Auch das Design von Produkten wie diesem Schlüsselbrett können geschützt werden.
Es muss eben nicht immer der edle Sessel sein. Auch das Design von Produkten wie diesem Schlüsselbrett können geschützt werden. Bild: Schluesselbrett.ch
 

 
Ausgeklügelt und in die Umgebung eingepasst: Eine Recycling-Station.
Ausgeklügelt und in die Umgebung eingepasst: Eine Recycling-Station. Bild: LED Werkstatt
 

 
Im Bereich der Medizintechnik spielt Design eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Funktionalität. Im Bild eine Dialysemaschine.
Im Bereich der Medizintechnik spielt Design eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Funktionalität. Im Bild eine Dialysemaschine. Bild: BBraun
 

 
Blumenschale Spindel von Willy Guhl.
Blumenschale Spindel von Willy Guhl. Bild: Nationales Landesmuseum
 

 
Auch der Heckspoiler wurde designt – und lässt sich schützen.
Auch der Heckspoiler wurde designt – und lässt sich schützen. Bild: iStock
 

 
Zum Abschluss noch ein weiterer Schweizer Klassiker. Die Bircher-Raffel aus Eisenblech von der Firma Merker & Co. (1940 bis 1960).
Zum Abschluss noch ein weiterer Schweizer Klassiker. Die Bircher-Raffel aus Eisenblech von der Firma Merker & Co. (1940 bis 1960). Bild: LM
 

Design muss effizient sein

Dabei geht es nicht nur um den vordergründig sichtbaren visuellen Effekt, weil ansprechendes Design ein Hingucker ist. Design kann ein Unternehmen aucheffizienter machen. Anders gestaltete Maschinen sorgen für einen schlankeren Produktionsablauf, eine verbesserte Ergonomie vereinfacht die Bedienung der Maschinen. «Die Kunden fordern immer häufiger, dass die Produkte so einfach zu gestalten, dass sie auchmit geringem Fachwissen intuitiv und anwenderfreundlich nutzbar sind», sagt Martin Kuhl, Vice President Global Marketing &Sales Services bei B. Braun in Deutschland. Das global tätige Familienunternehmen ist in der Medizintechnik tätig und hat unter anderem kürzlicheine Dialysemaschineauf den Markt gebracht.

 

Die Anforderungen an Design und Funktionalität hat das Unternehmen gemeinsam mit Meyer-Hayoz Design Engineering früh definiert. Auch für Martin Kuhl ist Design eine Möglichkeit, um sich abzugrenzen. «Das Design macht unser Markenversprechen greifbar. Auch Farben sind dabei durchaus relevant. Das ist sicherlich nicht das entscheidende Verkaufskriterium, aber ein stützendes Argument», sagt Martin Kuhl.Er rechnet damit, dass die Nachfrage nach Medizingeräten steigen wird, die weniger nach Klinik aussehen. «Ein grosses Thema ist unserem Fall zum Beispiel, dass Patienten Dialysen zu Hause durchführen können. Da hilft es,wenn das Gerät optisch ins Gesamtbild passt.»

 

«Wollen uns Produkt nicht nehmen lassen»

Den Wert des Designs hat auch Christoph Fahrni erkannt, er ist Mit-Inhaber der LED-Werkstatt in Thörigen. Das KMU stellt unter anderem Leuchtreklamen, Ladestationen für Elektroautos und Werkstoffbehälter her. Alle Produkte werden vonA-Z selbst entwickeltund in der Manufaktur in Bern gefertigt. «Das Design ist uns wichtig, weil es dem Produkt einen Mehrwert verleiht und ein Alleinstellungsmerkmal darstellt», sagt Christoph Fahrni. Der Designschutz ist für das Unternehmen fixer Bestandteil des Entwicklungsprozesses.Das Unternehmen hat vielZeit und Geldin das Produkt investiert, das will man sich nicht nehmenlassen.Ist das Produkt erst einmal geschützt wird es zum handelbaren Gut. Der Inhaber kann die Innovation zum Beispiel lizenzieren.

 

Warum sich Designschutz lohnt

Der Konzern B. Braun und das KMU LED Werkstatt schaffen mit Design nachweislich einen Mehrwert, entsprechend schützen sie auch ihre Produkte. Design ist für Unternehmen zu einem entscheidenden Marktfaktor geworden und Fälschungen in diesem Umfeld sind dementsprechend häufig. Wer sein Design schützen lässt, kann anderen verbieten, Produkte mit gleichem oder ähnlichem Design zu gebrauchen. Der Schutz macht die Design-Innovation überhaupt erst zu einem handelbaren Gut, zu einem Vermögenswert einer Firma. Man kann das sogenannte Schutzrecht vermieten (Lizenzen), verpfänden oder vererben.

 

Was gilt im rechtlichen Sinne überhaupt als Design? Darunter wird die äussere Gestaltung von Erzeugnissen oder Teilen davon verstanden. Die Gestaltung kann zwei-oder dreidimensional sein. Die Formgebung ist charakterisiert durch die Anordnung von Linien, Konturen, Farben oder Flächen oder durch das verwendete Material. Beispiele: Das Design von Konsumgütern wie Bestecke und Zahnbürsten; Industrial Design wie Lokomotiven oder Produktionsanlagen; Design im Detail wie ein Uhrenzifferblatt, Stoffmuster oder Teile einer Fahrzeugkarosserie.In den Genuss des Designschutzes kommen Gestaltungen, wenn das Design neu ist.

 

Das ist der Fall, wenn vor der Anmeldung kein anderes identisches oder ähnliches Design veröffentlicht worden ist –und sich das Design von bestehenden Gestaltungen in wesentlichen Punkten genügend unterscheidet.

 
 

Tipps: So schützen Sie Ihr Design

 

In der Schweiz meldet man seine Kreation beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) an. Die wichtigsten Tipps für die Anmeldung:

 

Abbildungen: Diese sollten von hoher Qualität sein und das Design deutlich abbilden. Tipp: Bilder schwarz-weiss einreichen, nur so ist das Design in allen Farbvarianten geschützt.

 

Recherche: Da die Neuheit beim Eintrag nicht geprüft wird, empfiehlt sich eine Recherche. Lesen Sie Fachliteratur, besuchen Sie Messen oder Fachgeschäfte. Überlegen Sie sich zudem, woher die Inspiration für Ihr Design gekommen ist.

 

Schutzdauer: Ein Design ist nach der ersten Anmeldung fünf Jahre geschützt. Danach ist eine Verlängerung möglich. Insgesamt kann man seine Kreation maximal 25 Jahre (5x5) schützen.

 

Sammelanmeldungen: Es ist möglich, mehrere Designs anzumelden, sofern diese der gleichen Warenklasse angehören.

 

Anmeldekosten: 200 Franken Grundgebühr für ein Design. Die Verlängerung für ein Design kostet ebenfalls 200 Franken.

 

Haben Sie Fragen? Besuchen Sie  www.ige.ch oder rufen Sie uns an: 031 377 77 77.

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